Ein Farmtag

Kürzlich konnte ich einen aussergewöhnlichen Farmtag mit Schönem und Schwierigem miterleben. Nach dem Frühstück erreichte uns ein Anruf, dass es auf unserem Farmgelände (es führt eine öffentliche C-Strasse durch) einen Unfall gegeben hätte. Der Enkel der Farmerin fuhr zusammen mit einem der Angestellten hin. Es zeigt sich, dass Angestellte von einer anderen Farm ein Farmauto geklaut hatten, wahrscheinlich in den nächstgelegenen Ort fuhren und auf dem Rückweg von der Strasse abkamen und sich überschlugen. Beide waren verletzt und die Polizei war auch schon vor Ort. Da sie keinen Führerausweis haben und wahrscheinlich unter Alkohol oder Drogen standen, dürfte es noch ein längeres Nachspiel geben. Unklar ist zudem, ob sie auch noch gewildert haben. Wir haben das demolierte Auto abgeschleppt und der Farmer wird es die Tage hier abholen.

 

Am Nachmittag dann der freudige Moment: Der erste Regen! Wir führten Freudentänze auf und alle waren ganz aufgeregt. Beim Haus gab es 7 mm. Am nächsten Morgen fuhren wir alle Messstellen auf der Farm ab und es ergaben sich 1,5 bis 14 mm, je nach Ort. Die Unterschiede erstaunten mich. Auch am Nachmittag regnete es wieder – erst ein zünftiges Gewitter und dann sah es nach Landregen aus. Es gab noch einmal etwas dazu – was wünscht man sich mehr! Wenige Tage später war auch schon das erste Grün zu sehen. Die Hoffnung bleibt, dass noch mehr Regen kommt, damit das Gras auch richtig wachsen kann. So gäbe es gute Weiden und es müssten keine Rinder verkauft werden.

 

Am Abend dann, wir wollten uns gerade zum Abendbrot hinsetzen, kam die Nachricht, dass eine Kuh übelst ein Bein gebrochen habe. Wir fuhren ins Veld und ein Nachbar musste das leidende Tier erschiessen. Dass dabei ein schönster Sonnenuntergang die Umgebung in zauberhaftes Licht tauchte, machte es sehr skurril. Die Arbeiter haben das grosse, schwere Tier auf den Bakkie geladen und zur Farm gefahren. Sogleich wurde es gehäutet, ausgenommen und zum ausbluten aufgehängt. Bei meinem morgendlichen Spaziergang am Folgetag hing es noch immer da, bevor es im Laufe des Tages verwertet und in die Kühlkammer gebracht wurde. Es war ein stattliches, schönes Tier und der Verlust gross, da das Fleisch so ausser Plan mässig nur unter Wert verkauft werden kann. Umso grösser die Freude, dass das Kälbchen, das vor ein paar Tagen auf die Welt kam, munter ist und gut gedeiht.

 

Vor dem Essen beten wir jeweils. Meist sind es feste Gebetssprüche, von der die Farmerin ganz viele aus dem Ärmel schütteln kann. Beim späten Abendessen nach diesem schwierigen Tag sprach sie ein freies Gebet und es berührte mich sehr. Am nächsten Morgen tat ich dasselbe vor dem Frühstück und ich war froh, wurde uns dann ein ruhiger Tag beschert.

 

Bild: Sonnenaufgang mit Köcherbaum auf Alt-Tiras

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